Die Suche nach Theater-Licht

Gallus Theater 014 - geändertManchmal bedarf es einer Schock-Therapie, um Änderungen einzuleiten. Einem solchen Wachrütteln kam die Post gleich, die Winfried Becker vor einigen Monaten in den Händen hielt: Es war die Jahresrechnung des Energieversorgers. Und was der Chef des Gallus-Theaters dort las, war fürwahr ein Schock: „Wir bezahlen 1025 Euro im Monat für Strom – das ist zu viel.“

„Wir müssen etwas tun“, fasst Becker die mobilisierende Wirkung der Rechnung zusammen. Also hörte er sich um, stieß beim städtischen Energiereferat auf offene Ohren und knüpfte bei einem alten Freund an, der ein Institut für Nachhaltigkeit gegründet hatte und Betriebe berät. „Winfried war schnell überzeugt, dass wir ein Nachhaltigkeitsprogramm für das Gallus-Theater aufstellen“, sagt Instituts-Gründer Walter Spruck.

Doch vor jedem Programm steht erst einmal die Bestandsaufnahme. Die übernahm der Energieberater Thomas Müller und inspizierte das Theater, das in einem historischen Bau der früheren Adlerwerke seinen Sitz hat. Veränderungen am Gebäude kamen nicht in Frage, denn Bausubstanz und energetischer Standard sind laut Möller gut.

Fazit des Energieberaters: „Ein deutliches Einsparpotenzial liegt im hohen Stromverbrauch, der im Wesentlichen durch die Bühnen- und Galeriebeleuchtung bestimmt wird.“ Gerade auf der Bühne setzt eine Vielzahl von 500- und 1000-Watt-Halogenstrahlern die Künstler in Szene. Und diese Leuchten brauchen viel Strom.

Gebäude (Chawen K.)„Ich hatte schon oft an eine LED-Beleuchtung gedacht, aber das scheiterte bisher daran, dass die Lichtqualität noch nicht reif ist für die Bühne“, sagt Becker. Denn die bisher produzierten LED-Strahler gibt es nur in den Farben Rot, Gelb und Blau. „Doch R-G-B reicht nicht fürs Theater, da brauchen wir sieben Farben“, sagt der Fachmann und nennt diese Farben für die Lichtmischung „existenziell wichtig“.

Das erkannte auch Energieberater Möller und kam zu dem Schluss: „Es gibt derzeit keine kostengünstige LED-Leuchtmittel für diesen Leistungsbereich und damit besteht vorerst nicht die Möglichkeit, den Stromverbrauch für die Bühnenbeleuchtung zu wirtschaftlichen Kosten deutlich zu senken.“ Denn eines wollte Becker auf keinen Fall: „Sparen und mit schlechtem Licht mir meinen Laden kaputt machen.“

Gallus Theater Der Theater-Chef und der Nachhaltigkeits-Experte jedoch warfen die Flinte nicht ins Korn: „Da muss es doch etwas geben“, dachten beide, suchten und wurden fündig: beim amerikanischen Scheinwerfer-Hersteller ETC, der vor kurzem eine Serie mit LED-Scheinwerfern aufgelegt hat. Die Technik ist also da – nun muss das Gallus-Theater noch die Finanzierung auf die Beine stellen, denn die Scheinwerfer sind teuer. Becker und Spruck: „Es ist kein technisches Problem mehr, sondern nur noch ein finanzielles.“ Und dafür suchen beide eine Lösung – „vielleicht über eine Art Crowdfunding“, sinniert Becker.

Unterdessen hat sich das Team des Gallus-Theaters einige andere Empfehlungen des Energieberaters zu Herzen genommen. Die Kühlschränke für Getränke werden mit Zeitschaltuhren versehen, damit sie nicht mehr an sieben Tagen die Woche laufen, Getränke jedoch rechtzeitig zu den Vorstellungen kalt sind. Und auch einer der Standardsätze des Energieberaters stieß auf offene Ohren: Computer und Bürogeräte werden bei Abwesenheit ausgeschaltet.

Unterm Strich geht Becker davon aus, dass es eine Schocktherapie wie mit der letzten Stromrechnung nicht mehr geben wird. Wenn erst eine Lösung zur Finanzierung der Scheinwerfer gefunden ist, dürften sich die Stromkosten im Theater mehr als halbieren. „Und wir sparen noch etwas“, sagt Becker, schmunzelt und greift zu einer Farbfolie, die von der Hitze der Scheinwerfer verschmolzen ist. „Mit den neuen Scheinwerfern ist die Epoche der Farbfolien für uns auch vorbei.“

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