Frauen achten auf den Verbrauch

MoellerIn den vergangenen Monaten hat das Frankfurter Stromsparteam im Stadtteil Bockenheim zahlreiche Haushalte, Gewerbetriebe und soziale Einrichtungen unter dem Aspekt des Energiesparens beraten. Thomas Möller hat uns dabei tatkräftig mit seiner Expertise als Energieberater unterstützt. Wir haben ihn befragt, welche Aspekte am Thema Stromsparen ihm im Rahmen der Beratungskampagne aufgefallen sind.

Stromsparteam: Herr Möller, Sie haben für das Frankfurter Energiereferat einige Betriebe und Institutionen in Bockenheim beraten. Ist Ihnen dabei etwas begegnet, was Sie noch nie zuvor erlebt haben?

Thomas Möller: Nicht nur eine Sache. Der krasseste Fall war eine Einrichtung, in dem auf die Quadratmeter bezogen ein wahnsinnig hoher Energieverbrauch auftrat.

 

Stromsparteam: Woran lag das?

Thomas Möller: Bei der Begehung haben wir festgestellt, dass auch in den Sommermonaten die Heizung auf „Vollgas“ lief und dass die Lüftungsanlage wahrscheinlich rund um die Uhr arbeitete. Zudem stellte sich heraus, dass es für zwei Mieter in dem Gebäude nur einen Strom- und einen Gaszähler gab. Damit wurde der Verdacht genährt, dass die von uns beratene Einrichtung für alle Kosten des gesamten Gebäudes inklusive eines Kindergartens aufkam.

Stromsparteam: Das klingt ziemlich üppig.

Thomas Möller: War aber noch nicht alles. Bei der Durchsicht des Gebäudes fiel uns auf, dass ein Wärmespeicher für Warmwasser installiert war mit einigen hundert Litern Fassungsvermögen. Doch für das Warmwasser gab es nur noch zwei Zapfstellen, eine an der Bar und eine in der Küche, weil die Duschen schon lange außer Betrieb waren. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, gab es eine Zirkulationspumpe, mit der das ganze Jahr über das auf 70 Grad erhitzte Wasser durch das komplette Haus gepumpt wurde.

Stromsparteam: Sind solche krassen Besonderheiten die Ausnahme oder treffen sie häufig solche Zustände an?

Thomas Möller: Die sind zwar in der Minderheit, doch sie treten immer wieder auf. Bei meinen Besuchen in Bockenheim gab es in einem Café den Fall, dass die Verbrauchwerte für Strom und Heizung extrem hoch waren. Der Grund dafür war die Abluftanlage der Küche, die mit einem sehr hohen Luftdurchsatz arbeitete. Dadurch wurde die Luft im kompletten Café viel zu oft ausgetauscht, was zu einer sehr hohen Heizungsrechnung führte.

Stromsparteam: Das war doch bestimmt nicht alles?

Thomas Möller: Nein, dort wurde auch die Espressomaschine nachts nicht ausgeschaltet. Als Begründung wurde mir genannt, dass das die Betriebskosten senke, weil die Aufheizphasen entfielen. Als ich den Hersteller deswegen anrief, hat der daraus eine Lachnummer gemacht. Die Heizung sei dazu da, um die Tassen vorzuwärmen, damit der Kaffee nicht abkühlt. Es wurde klar empfohlen, die Maschine nach Betriebsschluss abzustellen. Überdies ließ der Wirt die Fritteuse rund um die Uhr in Betrieb und hat damit nicht nur mächtig Strom verbraucht, sondern auch gegen die Feuerschutzbestimmungen verstoßen. Das war also rundum ein Chaos.

Stromsparteam: Begegnen Ihnen solch Befunde häufiger, wenn Sie Betriebe oder Wohnungen inspizieren?

Thomas Möller: Nein, das ist wirklich die Ausnahme. Aber eines ist mir in all den Jahren aufgefallen: Dort, wo Frauen die Regie haben, ist die Sache eher in Ordnung. Frau achten eben darauf, dass Geräte abgeschaltet werden. Wo Männer wirtschaften, wird nach meinen Beobachtungen eher wenig wert aufs Energiesparen gelegt.

Stromsparteam: Ist eine Ihrer Empfehlungen ein Dauerbrenner, den sie bei nahezu jeder Inspektion zünden?

Thomas Möller: Die Wiederholung liegt darin, mit den einfachen Dingen zu beginnen. Also Verbraucher sprich Geräte auszuschalten, wenn man sie nicht benutzt – und das konsequent. Ebenso konsequent sollten Lichtquellen gegen sparsame varianten wie LED gewechselt werden, wenn lange Beleuchtungszeiten vorliegen. Und man sollte auch überlegen, ob man alles Licht einschalten muss oder vielleicht mit einer geringeren Beleuchtungsstärke auskommt.

Stromsparteam: Und mit welchem Rat rennen Sie gegen Wände?

Thomas Möller: Das trifft weniger einen speziellen Rat, sondern eher einzelne Betriebe, wo meine Vorschläge nicht umgesetzt werden. In einem solchen Fall laufe ich tatsächlich gegen eine Wand. Doch es ist eben nicht meine Aufgabe, all meine Vorschläge auch umzusetzen, sondern dies ist ausschließlich Aufgabe des Unternehmers.

Stromsparteam: Gibt es Betriebe oder Wohnungen, wo sie absolut nicht fündig werden?

Thomas Möller: Das ist mir bisher noch nicht passiert, aber das kann es schon geben, wenn ich zum Beispiel die Wohnung eines Energiespar-Freaks inspizieren würde. Aber ansonsten finde ich immer etwas, auch bei mir zu Hause. Es ist jedoch auch nicht mein Ziel, einen Idealzustand herzustellen. Es geht darum, eine Breitenwirkung zu erzielen. Und da gibt es ein einfaches Rezept: Über den Geldbeutel ist leicht an die Menschen heranzukommen.

Zur Person:
Thomas Möller, 66 Jahre alt, ist Elektrotechnik-Ingenieur und Wirtschafts-Ingenieur. Mehr als 25 Jahre lang hat er für Mannesmann und Siemens gearbeitet und sich im Jahr 2000 selbstständig gemacht. In den folgenden Jahren bildete er sich fort zum Energieberater und ist auch Energiemanagement-Auditor. Er ist verheiratet und lebt in München.

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